Vom Kaffee zum Kakao / Rundbrief 20.01.2025
Immer wieder einmal werde ich gefragt, wie ich es mit dem Kaffee halte. Er scheint doch oft die letzte Hürde zu sein, über die ein Yogi zu steigen hat, hat er sich doch bereits von allen anderen gesellschaftlichen Prägungen und Gemeinplätzen auf dem Feld der Konsumation befreit. Bleibt der Kaffee. Viele Menschen haben eine ganz intuitive Skepsis gegenüber dem Getränk, ohne ihn missen zu wollen. Spätestens aber, wenn uns eine Erkrankung, eine Erkältung oder Grippe, überfällt, ist der Kaffee doch das erste, was wir sein lassen. Ist Kaffee nun ein Genussmittel oder ein Lebensmittel?
Ich habe lange Kaffee getrunken und auch genossen. Die ganze mit ihm zusammenhängende Kultur schätze ich bis heute, ist doch das Kaffeehaus konnotiert mit Entspannung, Meditation und Laissez-faire. Indessen rückte der Kakao als ein Getränk indigen-zeremonieller Art mehr in mein Bewusstsein, durch Menschen, die mir voraus waren oder durch eigene Aufmerksamkeit. Immer wieder ist es die gesunde Intuition, die nicht überdeckt ist durch Konzepte und Triebe, die unser Leben in Bewegung versetzt. So gab es eine Zeit, wo mir der Kaffee nicht mehr wie üblich mundete. Das war das Zeichen.
Dabei kann ich nicht zugeben, dass Kakao einfach den Kaffee ersetzt, wie ich anfangs dachte: Es ist eine ganz andere Art und Weise, eine andere Energie dahinter, vielleicht eher nach der Art des grünen Tees oder des Oolong. Man wird nie so viel Kakao trinken als wie man sich Kaffee zieht und ihn auch nicht an der Tankstelle kaufen. Der feierliche und spirituell erhebende Aspekt wohnt dem Kakao inne. Ein weites Feld der Zubereitung tut sich vor einem auf: Wird er dick oder dünn und pur getrunken oder mit pflanzlicher Milch versetzt? Welche Gewürze seien addiert: Tonkabohne, Vanille oder Muskat?
Noch zweierlei: Was wir uns vom Kaffee immer wieder erhoffen, ist doch ein gewisser Push, eine Lebenshilfe, ein Energieschub. Als Yogi sehe ich hingegen in Folgendem eine Stärkung unserer Moral und eine Beflügelung unserer Lebenslust: Zum einen in dem Gefühl, etwas überwunden zu haben und dabei zu spüren: Ich lebe! Eine stattgehabte Überwindung spornt mich enorm an. Denn sie spiegelt uns unsere eigenen Wesenskräfte wider. Die höchsten Kräfte und Stimmungen fließen uns jedoch zu, wo wir uns geliebt fühlen, wo wir lieben. Diese Steigerung kann uns kein materielles Gut bereitstellen.