Weiche Momente / Rundbrief 04.04.2023
Geheimnisse müssen sich öffnen können, die da so geduldig im Strom des Lebens auf uns harren. Ich verheiße, dass sämtliche Spannungen, die wir in unserem eigenen und im gesellschaftlichen Körper vernehmen, sich in diesen Geheimnissen erlösen. Sie wollen sich subtil äußern dürfen auf eine Seele zu, die in der Hoffnung und in der Erwartung steht, dass da ein Leben hervortrete, welches uns zuinnerst berührt, beglückt - uns erfüllt. Wir dürfen nicht etwas (besser) wissen wollen, wo Berührung sei.
Wie sähe ein Leben aus, das sich in die Möglichkeit setzt, ein berührtes Leben zu sein? Ein solches Leben unternimmt nichts aus routinierter Überkommenheit. Jeder Moment wird als neu und eigen betrachtet - wird angeschaut, geachtet. Hochschätzung verbirgt sich hinter solchem Herangehen an die Dinge, eine gewisse Erwartung, dass der Moment zu uns spricht und den Vorhang der Hineinsicht in die Dinge, wie sie wirklich sind, eröffne. Aus Routine wird Ritual, eine Art Dienst am wahren Strom des Lebens.
Ein Wort kann uns ganz plötzlich berühren, weil es in unserem Herzen widerhallt. Wir lassen es bis dorthin vor, von den Augen durch das Hirn hindurch in das Herz. Wer spricht solch ein Wort? Ein berührter Mensch. Oder ein anderer weicher Moment: Ein Licht, das die gewohnten Dinge, das Weiß eines Vorhangs, in Neues, d.h. in Nuancen taucht, die uns auffallen, derer wir aufmerken, weil wir schon länger aufgeschlossenen Herzens einen Sinn in uns nähren, der auf Echtheit geht. Das Geheimnis ist real.