gebannt im Moment / Rundbrief 07.08.2023

Heilen ist Berufung. Jeder Ruf, der tief in uns verankert ist, ist auf viel Zeit angelegt, auf unser ganzes Leben. Heilung verstanden in dem Sinne, das Ja-Wort zu uns selbst wiederzufinden, das Einverständnis mit unserer Existenz, ein stilles Verkosten des in uns strömenden Lebens. Ich sehe mich schon als 5-jähriger nach einem Bade an einem See stehen, von Handtüchern umschlungen, minutenlang regungslos - bis die Mutter sagte: "Was stehst du so da"?! Ich kontemplierte ohne Begriffe an der Einheit des Seins.

Die Geräusche der Menschen um mich fielen mit der Weite des Blicks in Eins. Es gab keinen bestimmten Gedanken mehr, kein Verfolg einer Idee oder eines Interesses. Ich war gebannt in der puren Wahrnehmung all der Eindrücke, die nicht mehr auf Wissen oder Verlangen, die nicht mehr auf das Ich als die Mitte der Person zugerichtet waren. In der Verkostung am Sein trat das Ich zurück, Zeit und Raum als dessen Koordinaten wurden hinfällig. Doch dann erlebte auch ich in die notwendige Trennung, um das noch

kindlich-intuitiv Unbewusste ins meditativ-reife Bewusstsein zu heben. So nehme ich heute an, dass uns doch viel mehr bereits in der Empfängnis mitgegeben ist, das wir zu entfalten haben und das durch keine Erziehung und durch keine Erfahrung perforiert oder aufgehalten werden kann. Im Falle dauert es nur etwas länger, bis die Blüte aufgeht. Und ich glaube: Gerade die stark Getrennten, die Leidenden, haben ein großes Los zu erwarten: Die tiefe, profunde Rückkehr in den Frieden, aus dem wir stammen.