nähren statt steigern / Rundbrief 22.05.2023
Eine stehende Wendung im Sensing ist die Rede von der nährenden (Lebens-) Praxis. Das Antonym zu dieser Qualität wäre der Verschleiß/die Übersteigerung, die aus Unverbundenheit resultieren. Nehme ich also eine Asana (Haltung) ein, achte ich darauf, ob die entsprechenden Dehnungen dem Körper helfen, sich zu befreien und ob meine Aktion, die ich ihm unterbreite, ein Anstoß sein möge, tiefer in sein Original zu finden. Das braucht ein starkes, zugewandtes Hinhörenkönnen auf den Vorgang.
Diese Fähigkeit ist erlernbar und geht einher mit einem gewissen Quantum an Selbstachtung und Selbstgefühl. Man muss mithin bereit sein, sich den größeren Fragen des Lebens zuzuwenden. Stelle ich diese Fragen nach dem Woher und Wohin und dem Wer bin ich beiseite, ergibt sich nicht die Stringenz in eine nährende Lebenspraxis. Ob dieses Fragen das Leben angenehmer machen, sei dahingestellt, denn zunächst scheint wenig Antwort auf. Folgt man jedoch behutsam den Fragen, erstrahlt Licht.
Der Atem ist eine nährende Lebenspraxis, die Ernährung, die Bewegung und unser Umgang miteinander. Der Mensch ist jedoch in der Lage, alle diese Türen zum Heil zu desavouieren. Aus Atem wird Hecheln, aus Nahrung Konsum, aus Bewegung Training. Alle Lebensvorgänge sind indessen auch am Menschen vollständig abgebildet und wollen in ihrer Stimmigkeit erkannt werden. Dafür schließen wir uns dem Vorhandenen an, dem sich beugenden Gelenk etwa, das wir nicht neu erfinden, aber auf sich hin befreien.